Autismusshirt

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Samstag, 5. Juli 2014

TV und nächtliche Aktivitäten

Mein Buch: "Fanti, das kleine Schlitzohr - Leben mit einem autistischen Kleinkind", das am 1.5.14 erschien und schon sehr viele Leser in den Bann gezogen hat, endet in der Erzählung, als die kleine Marie 4,5 Jahre alt ist. Vor 2 Monaten ist sie nun 5 Jahre alt geworden und in der Zeit hat sich so viel ereignet, dass es sich lohnen würde, das Buch fortzusetzen. Die Blogbeiträge sind nur Momentaufnahmen. 


Wer will schon, dass Kinder viel fernsehen?
Während meine Tochter auf ihr Baby aufpasste, arbeitete sie am PC und ließ ganz leise im Hintergrund den Fernseher laufen. Das Kind konnte gut dabei schlafen und wenn es in seinem Bettchen spielte, schaute es auch nicht zum Fernseher hin --- außer, wenn Werbung kam. Das schien die Kleine von Anfang an zu faszinieren.
Als sie dann ihr eigenes Zimmer bekam, musste der Fernseher mit; auch dort lief er ohne Ton. Doch sobald Werbung kam (sie musste es spüren, denn zu hören war sie nicht), unterbrach das Kind ihr Spiel und schaute gebannt auf die Mattscheibe. Danach war der Fernseher wieder völlig uninteressant. Mit ca. 3 Jahren jedoch lachte sie laut, wenn Formel 1 lief.
Inzwischen ist sie 5 Jahre alt und bedient den Receiver selber. Außerdem besteht sie jetzt auf eine gewisse Lautstärke. Dann baut sie an ihrer Eisenbahn und im Hintergrund läuft stundenlang eine Dauerwerbesendung für Sammel-CDs mit Liedern von Heintje, Alpenliedern, Schnulzen aus den 80ern etc. Da die Kleine extrem musikalisch ist, trällert sie beim Spielen die Melodien mit. Als sie letztens bei der Logopädin anfing, eine alte Schnulze zu summen, hat diese laut gelacht und sofort angefangen, mitzusingen.
Das Fatale jedoch ist, dass sie sich weigert, schlafen zu gehen, wenn der Fernseher ausgemacht wird. Würden wir es durchsetzen, täte die Kleine vor Schreien kein Auge zu. Wir können (meine Tochter und ich haben beide ein Babyphone) die ganze Nacht verfolgen, was sich im Kinderzimmer abspielt. Momentan macht die Kleine die Nacht zum Tag. Sie spielt, singt, klappert, verschiebt Möbel, plappert vor sich hin, lacht und beschwert sich plötzlich über eine volle Windel. Dann muss Mama ran, die Windel wechseln, die Kleine neu umziehen, weil diese darauf besteht, einige Zubettgehrituale wiederholen und hofft dann, dass das Kind endlich mal einschläft. Tut sie das, so kommt es oft genug vor, dass es 2-3 Stunden später schon wieder laut wird. Dann wird erneut im völlig dunklen Kinderzimmer rumort, gegackert, geträllert, Musik gehört und umgeräumt.
Dafür kann es tagsüber passieren, dass es von einer Minute auf die andere im Zimmer plötzlich ganz leise wird und die Kleine irgendwo auf dem Fußboden eingerollt tief und fest schläft. Sie holt sich ihren Schlaf, den sie braucht und ist danach rundum zufrieden. 

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