Autismusshirt

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Mittwoch, 26. November 2014

Welcher Kindergarten wann für autistische Kinder?

Liebe Leser!
Die Frage mag seltsam anmuten.
Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht dem Druck Außenstehender beugen sollte, sondern für das eigene betroffene Kind entscheiden muss, wann es reif ist für den Kindergarten.
Als meine Enkelin drei war, sollte sie in den heilpädagogischen Kindergarten. Wir haben uns die Einrichtung gründlich angesehen und dagegen entschieden. Die Kleine hätte einen 7-stündigen Tag, der vorgeschrieben war, niemals dort durchgehalten. Außerdem waren wir keinesfalls überzeugt, dass man dort ihre große Weglauftendenz und ihre noch nicht entwickelte Fähigkeit, andere Kinder als zu respektierende Lebewesen anzusehen, in den Griff bekommen hätte.
Wir haben zwei Jahre gewartet, obwohl es wesentlich einfacher und entlastender gewesen wäre, das Kind für viele Stunden des Tages nicht ständig selber beaufsichtigen und beschäftigen zu müssen.
In diesen zwei Jahren hat meine Enkelin eine enorme Entwicklung durchgemacht, auch dadurch, dass wir ihr privat behutsam Kontakt zu Kindern ermöglicht haben. Dabei haben wir gemerkt, dass sie sich sehr gern an Kindern ohne Behinderung orientiert, sowohl an kleineren als auch an älteren. Außerdem hat die begonnene Logopädie die Kleine dazu befähigt, wenigstens einfache Anweisungen und Erklärungen zu verstehen, was bis dahin nicht der Fall war. Jetzt fügt sie sich gerne in die recht große gemischte Kindergartengruppe ein, vermeidet Handlungen, die den anderen Kindern missfällt. Denn sie möchte nicht weggeschubst werden. Sie rauft mit gleichaltrigen Jungen, hält Mädchen an der Hand, schmust mit den Erzieherinnen und schläft, wenn ihr alles zuviel wird oder sie in der Nacht zuvor mal wieder kein Auge zugemacht hat.
Hätten wir meine Enkelin mit drei Jahren in den Kindergarten gezwungen, hätte sie den gesamten Tag vor Überforderung nur geschrien, hätte bei Ausrastern und Weglaufen gewaltsam festgehalten werden müssen und hätte sich und andere Kinder gefährdet.
Ich fordere auf zu Mut, individuell für das eigene Kind das Beste zu entscheiden.
Ich wünsche einen schönen Tag.
Ilse Gretenkord   

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