Autismusshirt

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Mittwoch, 11. März 2015

So viel Körperkontakt und Anhänglichkeit

Liebe Leser,
was hört man so über Autisten? Sie möchten nicht angefasst werden. Sie schreien bei Berührungen.
Zugegeben: Meiner Enkelin war es als Säugling egal, ob sie im Kinderbettchen lag oder von Mama in den Arm genommen wurde. Sie verlangte nie danach. Als Kleinkind saß sie nie länger als Bruchteile von Sekunden auf dem Schoß, wollte immer weg und festhalten durfte sie niemand. Das Festhalten ist immer noch ein riesiges Problem. Blutabnahme beim Arzt, Versorgen einer Wunde, Stillhalten beim Schneiden der Fußnägel etc. sind kaum möglich, weil die fast Sechsjährige dazu von mehreren Personen festgehalten werden müsste. Dann entwickelt sie Riesenkräfte und weniger als vier kräftige Erwachsene sind nicht in der Lage, sie für einen Moment zu fixieren.

Aber eines hat sich im Laufe der Zeit so wunderbar gewandelt. Unser kleiner Schatz mit frühkindlichem Autismus möchte schmusen, kuscheln, gestreichelt und gekitzelt werden, möchte in und auf den Arm genommen werden und kann davon gar nicht genug bekommen. Sie holt sich die Körpernähe und Streicheleinheiten, wann immer sie kann. Das tut uns so gut. Ihre Mama erholt sich langsam von dem Schmerz der ersten Jahre, als sie glaubte, ihr Kind lehne sie ab. Ich genieße es, meine Enkelin lange auf dem Schoß zu halten und sie zu drücken oder sie lange durchzukitzeln. Sie zeigt dann immer die Stellen, an denen sie als nächstes gekitzelt werden möchte. Das ist schon sehr lustig und wenn sie laut schallend lacht, muss man einfach mitlachen. Der Opa, der die Kräfte hat, das schon recht schwere Kind noch zu heben, trägt sie oft auf dem Arm lange hin und her, was die Kleine sichtlich genießt, aber als Baby und Kleinkind nicht haben mochte. 
Aber auch bei anderen Bezugspersonen, bei Erzieherinnen im Kindergarten und bei der Betreuerin, die an zwei Nachmittagen als Unterstützung kommt, schmiegt sie sich an, setzt sich auf deren Schoß und lässt sich drücken. Unser kleiner Engel mit frühkindlichem Autismus hat die Fähigkeit entwickelt, Vertrauen zu Menschen aufzubauen, fühlt sich geborgen und geliebt. Vielleicht ist sie auch deshalb nicht von Ängsten geplagt wie oft andere Autisten, die viel schreien und weinen, weil sie in der ihnen fremden Welt keinen Halt finden. Wir sind unendlich glücklich darüber, dass dieses Kind keine Ängste hat und offenbar glücklich ist. Sie lacht und trällert den ganzen Tag - ein Zeichen, dass es ihr gut geht.   
Und wenn es dem Helena Marie gut geht - geht es auch uns gut. Und dann ist es völlig egal, dass sie ein "besonderes" Kind ist, ein Kind mit frühkindlichem Autismus.  

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