Autismusshirt

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Montag, 11. Mai 2015

Der erste wahrgenommene Geburtstag

Liebe Leser!
Ich hatte bereits mein Bedauern darüber geäußert, dass meine inzwischen 6-jährige Enkelin bisher nichts von der Bedeutung von Festen verstanden hatte. Sie ist nämlich nicht in der Lage, komplexere Erklärungen zu verstehen, weshalb sie auch noch nicht verbal kommunizieren kann.. Das liegt an ihrer Störung durch frühkindlichen Autismus.
Noch vor wenigen Monaten hat sie im Kindergarten dem Nikolaus die Tüte zurück gegeben. Den Martinszug mit den bunten Fackeln und den Liedern hat sie zwar mitgemacht, jedoch ohne jegliches Verständnis für die Mantelteilung. Von der Geburt des Jesuskindes zu erzählen, sie zu einem Krippenspiel mitzunehmen, ihr Geschenke unter einen Weihnachtsbaum zu legen -- alles das wäre völlig verständnislos an ihr vorüber gegangen.
Doch: Jetzt, zu ihrem 6. Geburtstag im Mai, hatten wir plötzlich den Eindruck, als sei sie so aufnahmefähig, dass sie bemerken würde, dass dies ein besonderer Tag sei, wenn er besonders hervor gehoben würde.  
Und wir wurden in unserer Vermutung nicht getäuscht. Ein paar Tage zuvor fingen wir an, ihr zu sagen, sie würde nun 6 Jahre alt und ständig wiederholte sie die Zahl "6". Irgendwie schien sie auch zu merken, dass Mama etwas vorbereitete (den Geburtstagskuchen backte), denn am Abend zuvor und am Geburtstagsmorgen war sie ungewöhnlich aufgeregt, was sich leider in Zornesausbrüchen bemerkbar machte. Doch spätestens, als wir sie zusammen mit Kuchen und Schokomaikäfern zum Kindergarten brachten, wurde ihr klar, dass dies ein besonderer Tag war. 
Leider konnten wir im Kindergarten nicht "Mäuschen spielen". Und da Helena Marie nichts erzählen kann, erfuhren wir auch nicht, wie dort ihr Geburtstag gefeiert wurde. Aber sie hatte dort bestimmt viel Spaß daran, im Mittelpunkt zu stehen -- obwohl sie Autistin ist.
Nachmittags allerdings war sie fast zu platt, um ihre Geschenke zu Hause auszupacken und die Kerze auf dem Kuchen auszublasen. Denn genau an diesem Tag hatten die "Schulkinder" des Kindergartens noch am Nachmittag die Feuerwehr besucht, was sehr aufregend war und fast zu viel an Reizen für ein autistisches Kind. Doch in der Nähe von Mama, die mitgehen durfte, hat sie alles mitgemacht: Wasser verspritzt, mit dem Feuerwehrauto gefahren, Helm aufgesetzt u.v.m..
Doch danach war die Kleine nicht mehr in der Lage, auch noch mit dem ferngesteuerten Feuerwehrauto zu spielen, das Mama ihr so liebevoll eingepackt hatte. Helena Marie liebt ferngesteuerte Autos - aber ihr Geburtstag war so randvoll und aufregend gewesen, dass sie nur (etwas abwesend) ein paar Runden - in ihrer eigenen Sprache schnatternd - durch den Garten drehte, um die vielen Reize zu verarbeiten.  
Doch wir hatten das Gefühl, dass der kleine Schatz verstanden hat, dass ihr Geburtstag ein besonderer Tag ist. Wie schön für uns, dass wir jetzt wissen, dass auch ein Kind mit frühkindlichem Autismus lernen kann, außergewöhnliche Feste im Jahr zu verstehen und sich an diesen zu erfreuen. 

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