Autismusshirt

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Sonntag, 13. Dezember 2015

Wunderbare Kopfarbeit

Meine sechsjährige Enkelin mit frühkindlichem Autismus wurde durch einen nicht-sprachlichen Intelligenztest, den viele aus gewichtigen Gründen gerade für Autisten für ungeeignet halten, als geistig behindert eingestuft.
Ihr Sprachvermögen ist eingeschränkt, obwohl sie in letzter Zeit große Fortschritte macht.
Aufgrund ihrer nicht zu stillenden Lust, sich am Laptop stundenlang kleine, nette und Musik untermalte Filmchen über das ABC, über Zahlen, über Farben und geometrische Formen anzuschauen, hat sie dadurch auch viel gelernt.
Das Besondere aber ist: Sie bevorzugt die Filmchen in englischer Sprache. Sprachwissenschaftler haben heraus gefunden, dass Kinder gewisse Sprachen wegen ihres Klanges bevorzugen; dazu gehört auch das Englische.
So ist es gekommen, dass unsere Kleine inzwischen das ABC sehr gut in englisch aufsagen kann, Zahlen bis 20 zügig in englisch aufzählt, alle Farben in englisch kennt, ebenso die geometrischen Formen. Natürlich kennt sie nebenbei die entsprechenden deutschen Begriffe.
Jetzt aber kommen die eigenen Denkleistungen.
Entweder benennt sie selber – meist mitten in der Nacht, die immer sehr früh bei ihr zu Ende ist – gleichzeitig die deutschen und englischen Begriffe für alle Farben oder für alle Buchstaben oder alle Zahlen. Sie ist dann wie ein wandelndes Vokabelheft. Niemand ist dann in der Lage, sie dabei zu stoppen. Sie ist dann auch auf nichts anderes ansprechbar.
Noch bemerkenswerter ist es jedoch, wenn sie noch mehr Hirnakrobatik betreibt.
Heute morgen um 03.30h hat unser kleiner autistischer Engel folgende Leistung vollbracht:
Abwechselnd benannte sie (in englisch) jeden Buchstaben des ABCs und dazwischen (ebenfalls in englisch) eine Farbe, bis das ganze Alphabet durch war. Danach kam Gleiches noch mit den englischen Zahlen von 1 – 20. Besonders bemerkenswert war dabei, dass sie immer genau wusste, welchen Buchstaben oder welche Zahl sie noch vor der Farbe benannt hatte; nichts hat sie ausgelassen oder vergessen. Doch man konnte ihr richtig ansehen, wie sehr sie sich dabei anstrengte. Als sie an einer Stelle stockte und ich ihr helfen wollte, hielt sie sich wütend die Ohren zu, weil sie unbedingt die ganze Leistung allein erbringen wollte.
Ich war so beeindruckt, dass ich gar nicht wusste, wie sehr ich unseren kleinen Schatz dafür loben sollte. Doch ich denke, sie war selber so stolz darüber, was sie geschafft hatte, dass sie sich zwar über mein Lob freute, mehr aber noch über ihr eigenes Können.
Helena Marie tut noch lange nicht, was man ihr sagt; aber das, was sie aus eigener Motivation möchte – nämlich Vieles selber und allein lernen – davon lässt sie sich durch nichts und niemanden abbringen.   


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