Autismusshirt

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Donnerstag, 1. Oktober 2015

AUTISTEN UND MEDIZINISCHES PERSONAL

ANMERKUNG:
Die Beiträge. die eine Überschrift in Großbuchstaben haben, sind in enger Zusammenarbeit mit der Autistin Marianne van der Arend entstanden, der es - wie auch mir - extrem wichtig ist, dass neurotypische ("normale") Menschen über Autismus und Menschen mit Autismus aufgeklärt werden. Leider fehlt auch in wichtigen Berufsgruppen noch hinreichende Informationen und Aufklärungen, so dass es zu fatalen Fehleinschätzungen kommen kann.

Nicht nur Polizisten brauchen Aufklärung über Autismus; auch Ärzte und medizinisches Personal benötigen dringend Informationen über und Verständnis für diese tiefgreifende Entwicklungsstörung, die den ganzen Menschen erfasst und deshalb auch zu Problemen in allen Lebenssituationen führt. Leider fehlen diese Kenntnisse noch viel zu oft.

So können beispielsweise Antipsychotika bei Autisten eine Psychose auslösen statt diese zu verhindern oder psychotische Symptome einzudämmen. Allgemein kann es passieren, dass Medikamente bei Autisten stärkere Nebenwirkungen auslösen als bei neurotypischen Menschen. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten.
Um einen Autisten zu narkotisieren, wird oftmals eine wesentlich höhere Dosis gebraucht, bis die Narkose wirkt, obwohl es andererseits vielfach Autisten gibt, die keinerlei oder nur sehr geringfügig Schmerz verspüren.
Auch eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus können für autistische Kinder und Erwachsene zur Tortur werden. Nur wenige Ärzte sind so sensibel, dass sie adäquat mit autistischen Kindern umgehen können. Meist endet der Arztbesuch in einer Katastrophe, einem total fertigen Kind, einem verzweifelten Elternteil und der Bemerkung des Arztes: „Dieses Kind ist nicht untersuchbar.“. Wie soll es auch funktionieren, wenn der Arzt einfach versucht, ein autistisches Kind von mehreren Personen festhalten zu lassen, weil es sich mit allen Kräften dagegen wehrt, dass man ihm in den Mund oder in die Ohren schaut oder Blut abnehmen will? (Einiges dazu kann auch nachgelesen werden in meinem Buch „Fanti, das kleine Schlitzohr – Leben mit einem autistischen Kleinkind“)

Werden autistische Menschen im Krankenhaus in Mehrbettzimmer gelegt, so bedeutet das für den Autisten eine ständige Reizüberflutung durch den Fernseher, durch das Telefonieren und die Unterhaltungen der Bettnachbarn, durch die Besucher der anderen Patienten. Je nach Schwere des Autismus könnte das dazu führen, dass der autistische Mensch entweder fluchtartig das Krankenhaus verlässt oder völlig ausrastet, weil er mit der Reizüberflutung total überfordert ist. In der Regel brauchen Autisten eine sehr reizarme Umgebung, zumal er durch die ganzen neuen Eindrücke, die durch das Krankenhaus an sich und die dortige Behandlung auf ihn zukommen, ohnehin schon viel verarbeiten muss. Um überhaupt genesen zu können, wäre ein Einzelzimmer unabdingbar; es reichen schon die ständigen „Störungen“ durch Krankenschwestern, Ärzte, Reinigungskräfte und gelegentlicher Besuch von Angehörigen.      

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