Autismusshirt

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Sonntag, 8. Juni 2014

Das Riesenproblem mit dem Anziehen und ungewöhnliche Nachtbekleidung

Seit Monaten ist es in der Regel nur mit zwei Personen möglich unter hohem Zeitaufwand, meine fünfjährige Enkelin zum Anziehen zu bewegen. Hinterherrennen, Einreden auf das Kind, Locken mit Bildern oder Einkaufstasche sind das Mindeste, um zu erreichen, dass sie sich aufs Anziehen einlässt. Wenn alles nicht hilft und wichtige Termine eingehalten werden müssen, ist „Zwang“ nötig. Die Kleine wehrt sich dann mit aller Kraft. Hat man es endlich geschafft, ihr den Body anzuziehen und greift nach dem nächsten Kleidungsstück, hat sie sich den Body schon wieder vom Körper gerissen. Vor wichtigen Terminen müssen bis zu zwei Stunden Zeit allein fürs Anziehen einkalkuliert werden, damit eine Chance besteht, rechtzeitig fertig zu werden.
Seit mehr als zwei Jahren bestimmt die Kleine, was sie nachts anziehen möchte. Lässt man sie nicht gewähren, ist an schlafen nicht zu denken. Gerade in heißen, schwülen Sommernächten ist ihre Auswahl besonders kurios. Was sie sich im letzten Sommer anzog, habe ich ausführlich in meinem Buch beschrieben.
An diesem heißen Pfingstwochenende wählte sie am ersten Abend 3 Bodys, 2 davon langärmlig; wir konnten mit Mühe verhindern, dass sie mit langärmligen Pullis fortfuhr. Stattdessen wurden es 5 T-Shirts, die über die Bodys gezogen werden mussten. Die 3 weiteren, die sie noch ausgewählt hatte, kosteten ebenfalls viel Zeit und Tricks, um sie wieder in den Korb zurück zu befördern. Dann kam die dickste Strumpfhose, die sie besitzt. Auch da half nur eine List, um zu verdeutlichen, dass eine weitere nicht mehr darüber passte. Natürlich jedoch bestand sie noch auf einer Überhose in Form einer langbeinigen Jogginghose. 
Am zweiten Abend waren ihre Kleidchen gewaschen aus dem Trockner gekommen und dann ging es los. 2 Bodys, alle 5 Kleidchen übereinander - das sechste war nicht elastisch und passte deshalb nicht auch noch -.Wieder eine dicke Strumpfhose und diesmal unter den Kleidern über der Strumpfhose eine Thermohose.


Die Leser werden sich fragen, warum das Kind im Sommer überhaupt an langärmlige Pullis, Strumpfhosen und Thermohosen heran kommt. Ganz einfach: Sie erinnert sich an alles, was sie hat und stünde sonst weitere Stunden schreiend vor dem abgeschlossenen Kleiderschrank, um die gewünschten Kleidungsstücke einzufordern. Sie möchte wählen; deshalb liegen ihre Sachen in drei Wäschekörben und sie sucht aus. 
Anfangs hatten wir mächtig Sorge, das Kind trüge Schaden davon, wenn es in heißen Sommernächten viel zu warm bekleidet schlafen ginge. Doch morgens wacht sie fröhlich auf und hat nicht einmal geschwitzt.

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