Autismusshirt

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Montag, 1. Dezember 2014

Private Förderschule für geistige Entwicklung

Liebe Leser,
im kommenden Jahr fängt für meine Enkelin "der Ernst des Lebens" an. Sie muss in die Schule. Als frühkindliche Autistin kommt für uns nur eine Förderschule in Frage, weil Inklusion in einer Regelschule für das Kind und die Mitschüler eine Zumutung darstellen würde. Darüber habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag meine Meinung geäußert.
Andererseits gibt es zwei Argumente, die auch gegen diese Art der Förderschule angeführt werden könnten.
Zum einen wurde in der vergangenen Zeit deutlich (vor allen Dingen seit dem erst kürzlich erfolgten Eintritt in den Kiga), dass die Kleine sich stark zu "normalen" Kindern hingezogen fühlt, diesen Vieles abschaut und von ihnen Erstaunliches lernt.
Desweiteren bestätigt jede Person (Therapeuten, Fremde, Verwandte, Bekannte), die meine Enkelin kennen lernt, bereits nach kurzer Zeit, dass dies ein (sehr) intelligentes Mädchen sei.
Ein intelligentes Kind auf eine Schule für geistige Entwicklung schicken? Ist das richtig? Ein Kind, das mittels ihres Ipads autodidaktisch das Alphabets beherrscht und die zu den Anfangsbuchstaben gesprochenen Wörter nach und nach selber spricht? Ein Kind, das fasziniert ist von Zahlen und diese rauf- und runterzählt im Zahlenraum bis 20? Ein Kind, das Handlungsabläufe im Haushalt (Waschmaschine einstellen, Kaffeemaschine bedienen, Wäsche falten u. v. m.) nur einmal zu sehen braucht, um es selber machen zu können?
Auf der anderen Seite hat die Kleine sehr viele Defizite aufgrund Ihrer "Behinderung". Noch spricht sie so gut wie gar nicht, braucht ihre Rituale, reagiert oft nicht auf Ansprache, lässt sich in der Regel aktiv nichts zeigen und erklären, kennt keine Gefahren, lebt in ihrer Welt, die sie sich einrichtet und nach außen so weit kommuniziert, dass die Erwachsenen meist erkennen können, was sie braucht. Der Umgang mit meiner Enkelin wird dann höchst problematisch, wenn der Erwachsene die Gradwanderung zwischen dem, was sie will oder braucht, und dem, was sie darf, nicht schafft. Dann wird es sehr laut, dann schreit sie sich die Kehle aus dem Hals, dann wehrt sie sich mit Leibeskräften, wirft Gegenstände durch die Gegend, knallt Türen, haut sich selber, hält sich die Ohren zu, In der Öffentlichkeit schmeißt sie sich auf den Boden, so dass niemand mehr in der Lage ist, sie von der Stelle zu befördern. Oder selbst zwei starke Erwachsene vermögen es nicht, das Kind, das sich steif macht wie ein Brett, in den Autositz zu bekommen. Sie hat auch eine starke Weglauftendenz, wenn sie ein anderes Ziel im Auge hat als die Begleiter. Festhalten ist für dieses Kind das Schlimmste, was man ihm und sich selber antun kann. Da haben selbst drei Erwachsene kaum eine Chance gegen sie.
Ein Kind, das diese Gefühle nicht steuern kann, weil Vieles nicht seine Welt passt, weil viele Eindrücke es überfordern, weil Umwelt und Erfahrungen von ihm auf andere Weise wahrgenommen werden als durch das Umfeld: Deshalb hat meine Enkelin auf einer Regelschule nichts zu suchen. Wir sind jedoch überzeugt, dass die von uns gewählte Schule jedes Kind individuell fordert und fördert. Also wird dort auch ein intelligentes Kind nicht zu kurz kommen und nach seinen Fähigkeiten lernen dürfen.
Viele Grüße!
Ilse Gretenkord
 

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