Autismusshirt

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Samstag, 3. Mai 2014

Mütter von autistischen Kindern

Heute ist mir als Großmutter meiner fast fünfjährigen Enkelin erstmals klar geworden, wie sehr meine Tochter vom ersten Tag an gelitten hat. Obwohl ich die Kleine zusammen mit meiner alleinstehenden Tochter groß ziehe, habe ich nicht gemerkt, wie schwer es ihr gefallen ist, zu spüren, dass von diesem Kind kein Zeichen der Bindung ausging. Das kleine süße Mädchen entpuppte sich schnell als "pflegeleichtes" Kind, das sehr ruhig und zufrieden in seinem Bettchen lag und sich vorwiegend selber beschäftigte.
Die Kehrseite der Medaille war, dass das Baby nicht nach der Mutter verlangte, dass es dem Kind egal war, wer seine notwendigen Bedürfnisse befriedigte. Es lächelte nicht zurück, streckte der Mama keine Ärmchen entgegen, um hochgenommen zu werden, wollte nicht aus dem Bettchen zum Spielen auf den Boden gesetzt werden, wollte nicht kuscheln, nicht beschäftigt werden. Es schien mit sich und der Welt zufrieden zu sein. Das hat meine Tochter zutiefst getroffen und wird ihr ein Leben lang nachhängen.

Enttäuschung, tiefe Traurigkeit und Schuldgefühle, keine gute Mutter zu sein, quälen die Mütter, die eine "lebendige Puppe" statt eines "normalen Babys" vor sich haben. Die tiefe Bindung fehlt und führt zu enormem Frust, weil von einem autistischen Kind keine Gefühle auszugehen scheinen. Es schreit, weil es Grundbedürfnisse hat, aber nicht, weil es Liebe und Nähe der Mutter sucht. Es will versorgt werden - egal von wem. Dann scheint seine Welt wieder in Ordnung zu sein.

Mehr als vier Jahre hat es gebraucht, bis sich eine engere Bindung zwischen meiner Tochter und ihrem Töchterchen gebildet hat. Jetzt scheint die Kleine ihre Mama zu vermissen, wenn sie mal nicht da ist. Jetzt kommt sie zum Kuscheln, lässt sich von ihr trösten, strahlt, wenn sie sie sieht.
Das tut meiner Tochter so gut. Trotzdem kann sie die ersten Jahre nicht vergessen. Sie haben tiefe Wunden hinterlassen. 

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